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Winning Mails- Kein Lottoglück per E-Mail

Früher oder später passiert es vielen Internet-Nutzern: im Posteingang taucht eine recht merkwürdige Nachricht auf: Aus Millionen im Internet gesammelten E-Mail Adressen, wurde gerade Ihre ausgelost. Sie sind der glückliche Gewinner von mehreren Hunderttausend Euro oder Dollar.

Natürlich handelt es sich hier nicht um einen echten Gewinn, sondern vielmehr um eine üble Masche, die einerseits darauf abzielt, an eine Unzahl von Datensätzen von Personen zu kommen, mit welchen kriminelle Banden gar einiges anfangen können (Datenhandel, Identitätsdiebstahl!), andererseits wird versucht, gutgläubige Menschen - mit der Aussicht auf einen viel größeren Gewinn - zur Zahlung von einigen Tausend Euro zu bewegen. Der Empfänger dieser Schreiben wird, aus nicht nachvollziehbaren Sicherheitsgründen, dazu aufgefordet, niemandem etwas über seinen Gewinn zu erzählen.

Um Ihren Gewinn einzufordern sollen Sie einen detaillierten Fragebogen über Ihre persönlichen Daten ausfüllen, darunter Geburtsdatum, Wohnort, Telefon, Fax, Staatsbürgerschaft und Nummer des Ausweises oder des Passes, manchmal auch den Namen des nächsten Angehörigen, und natürlich alle Daten bezüglich Ihres Bankkontos. Manchmal wird auch verlangt, den Fragebogen handschriftlich auszufüllen und zu unterzeichnen. Diese Informationen sollen dann zusammen mit einer Kopie des Ausweises zurückgesandt werden.

Damit aber noch nicht genug. Diese Kriminelle begnügen sich nämlich nicht mit den erschwindelten Daten, mit welchen sich jemand problemlos eine neue Identität, nämlich Ihre, fabrizieren kann. Wer nämlich noch hofft, zu seinem Geldgewinn zu kommen, wird statt dessen ordentlich zur Kasse gebeten. Er wird nämlich dazu angehalten, Vorauszahlungen von einigen Tausend Euro zu leisten, um verschiedenste Bearbeitungsgebühren, Steuern und Kautionen zu decken. Vielleicht soll er auch ein Konto in den Niederlanden eröffnen - und dafür eine Gebühr von mehreren Hundert Euro bezahlen. Aber was sind schon 200 Euro im Vergleich zu 800.000? Und dann muss er möglicherweise für das Geld noch eine Versicherung abschließen - und dafür bezahlen sowie internationale Bankspesen vorauslegen. Und dann kommen noch Gewinnregisterspesen oder Notarkosten oder Steuern dazu. Die Fantasie der Gauner kennt kaum Grenzen.

Diese Vorauszahlungen sollen natürlich so schnell wie möglich getätigt werden, der Gewinn würde sonst verfallen, meist mittels Sofort-Bargeldtransfer-Services wie Western Union oder Money Gram. Diese an sich durchaus seriösen Dienstleister werden leider gerne für Betrügereien missbraucht und sind für Zahlungen an Unbekannte völlig ungeeignet. Kommt der Verbraucher der Aufforderung nach, ist das Geld natürlich verloren.

Wie erkenne ich solche betrügerische E-Mails?
Die Absender dieser Gewinnschreiben geben sich vielfach als Internet-Lotterie mit einem Fantasienamen aus. Oft werden aber auch die Namen wirklich existierender Lotterien benutzt, wie z.B. die spanische Lotterie "El Gordo" oder das italienische "Superenalotto". Aber auch die Namen von Firmen, die mit Lotterien gar nichts zu tun haben, werden für solche Machenschaften gerne missbraucht. Zum Beispiel sind gefälschte Schreiben einer "Microsoft Award Team Lottery" oder einer "Coca Cola Lottery" im Umlauf.

Als Faustregel gilt: Um bei einer Lotterie Geld zu gewinnen, muss man ein Los gekauft haben. Woher soll das ausgeschüttete Geld denn kommen, wenn nicht von den Einnahmen aus den Losverkäufen? Kein Sponsor, auch nicht Wirtschaftsriesen wie Coca Cola oder Microsoft, verschenkt einfach 900.000 Dollar!

Weitere Kennzeichen solcher betrügerischen E-Mails: Sie strotzen vor Rechtschreib- und Grammtikfehlern, als Kontaktdaten werden immer nur eine Mobilfunknummer, ein Postfach oder eine E-Mail-Adresse eines Gratis-Anbieters angegeben. Keine offizielle Lotterie hat ein E-Mail Konto bei Yahoo, Gmail, Hotmail, Live, AIM, AOL, Lycos, Excite und wie sie alle heißen.


Aber ich war doch erst in Spanien und habe ein Los gekauft...
Keine offizielle Lotterie würde die Gewinner per E-Mail verständigen. Außerdem müssen sich echte Gewinner in der Regel von sich aus bei der Lotterie melden und ihren Gewinn einfordern.


Woher haben diese Leute meine E-Mail-Adresse?
Sie sammeln sie systematisch. Wenn Ihre E-Mail-Adresse irgendwo im Internet steht, stehen die Chancen gut, dass Sie Empfänger eines Winning Mails werden. Seien Sie also immer vorsichtig bei der Angabe von persönlichen Daten im Internet; melden Sie sich, wenn überhaupt, nur auf vertrauenswürdigen Internetseiten an und achten Sie darauf, dass Ihre Adresse nicht öffentlich sichtbar ist.
Schützen Sie Ihren Computer so gut wie möglich vor Viren, Trojanern und Spyware.


Unser Rat an alle Empfänger solcher Mails:

- reagieren sie nicht darauf;
- geben Sie auf keinen Fall persönliche Daten und Bankverbindungen preis;
- versenden Sie keine Kopie des Personalausweises;
- zahlen Sie auf gar keinen Fall!


Wenn es schon zu spät ist und Sie auf den Trick hereingefallen sind, bleibt nur mehr der Gang zur Polizei und die Erstattung einer Anzeige. Wer seine Bankdaten angegeben hat, sollte umgehend seine Bank informieren und sein Konto sperren oder schließen lassen, um sicher zu gehen, dass sich die Betrüger nicht irgendwann, auch in fernerer Zukunft, einen Zugang zu den Einlagen auf dem Konto erschwindeln.


Stand: 12/2008



Beispiel einer angeblichen Gewinnmitteilung

Beispiel einer angeblichen Gewinnmitteilung