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VIRUSWARNING: HOAXES, KETTENBRIEFE & CO.

Internet-Surfen und E-Mail-Schreiben gehört für viele mittlerweile zum Alltag – sowohl beruflich als auch privat. Nachfolgend ein paar Informationen über diversen "Internet-Spuk" …

Achtung, Virus?!


Mittlerweile handelt es sich um ein bekanntes Phänomen: Viruswarnungen per E-Mail, die mit höchster Dringlichkeitsstufe eintreffen, und in denen vor erschreckend gefährlichen Viren gewarnt wird, welche ein infiziertes System total zerstören können.
Die betreffende Nachricht (es handelt sich meist um eine x-mal weitergeleitete E-Mail) wird Ihnen von einem Bekannten übersandt - dadurch gewinnt sie an Glaubwürdigkeit.
Die Zerstörung wird nicht genauer beschrieben, oder man liest, dass die Festplatte gelöscht wird, sämtliche Daten kopiert, der Internet-Zugang samt Passwort "gestohlen" wird oder Ähnliches.
Danach folgt die Aufforderung, diese E-Mail an alle eigenen Bekannten weiterzuleiten, um sie vor dieser Gefahr zu warnen.
Was die meisten jedoch nicht wissen, ist, dass kaum einer dieser Viren wirklich existiert. Der eigentliche "Virus" ist eben diese Warnungsnachricht selbst, denn durch deren breitgefächerte Weiterleitung wird das Netz überlastet, und wichtige Dienste können verlangsamt werden.
Man bezeichnet solche Meldungen mit dem englischen Begriff "Hoax", wörtlich Täuschung, Betrug, Falschmeldung.

Ein paar Beispiele für Hoaxes:
  • Warnung vor dem Virus Sulfnbk.exe: es handelt sich in Wirklichkeit um eine Windows-Systemdatei
  • Warnung vor der infizierten Datei "Life is beautiful.pps": diese Datei gibt es nicht!
  • Warnung vor dem Virus im Bildschirmschoner mit den Budweiser-Fröschen: es gibt den Bildschirmschoner, aber in der Originalversion ist er nicht infiziert!

Unser Tipp: Wenn Sie eine solche Nachricht erhalten, leiten Sie diese nicht weiter! Überprüfen Sie zuerst, ob dieser Virus tatsächlich existiert, indem Sie in einer der folgenden Datenbanken nachschlagen:


Sie werden sehen, kaum eine dieser Warnungen hat einen ernstzunehmenden Hintergrund!


Kettenbriefe


Eine weitere Plage für alle Benutzer der elektronischen Post sind jene Briefe, die um Hilfe für Bedürftige bitten.
So suchen etwa Eltern um einen Knochenmarkspender für die krebskranke Tochter, oder Tierschützer bitten um die Adoption von einem Wurf Welpen, denen ansonsten die Einschläferung droht, oder aber es handelt sich um e-Petitionen wie zum Beispiel jene für die Rechte der Frauen in Afghanistan.

Man kann grundsätzlich sagen, dass man diese humanitären Appelle gleichfalls nicht weiterleiten sollte, und schon gar nicht, ohne sie vorher zu überprüfen.
In einigen Fällen des gesuchten Knochenmarkspenders ist der Patient mittlerweile verstorben – stellen sie sich vor, wie entsetzlich es für die Eltern sein muss, jeden Tag aufs neue diese Auskunft erteilen zu müssen: "Danke für den Anruf, aber unser Kind ist vor 2 Jahren verstorben".

In den glücklicheren Fällen wurde der Spender gefunden und das Kind ist geheilt. Aber auch hier: wer möchte schon drei oder vier Jahre nach der glücklich verlaufenen Operation jeden zweiten Tag eine solche Auskunft am Telefon erteilen müssen?

Außerdem sind einige dieser Meldungen schlichtweg erfunden, und es gibt weder die Eltern, noch die Kinder, noch irgendeine Krankheit.

Und für die Appelle wie jene zur Rettung des Regenwalds oder für die Rechte der Frauen gilt: e-Petitionen haben keinen rechtlichen Wert. Wenn sie wirklich etwas tun wollen, kontaktieren Sie eine zuständige Hilfsorganisation und fragen sie nach, wie man Aktionen im jeweiligen Bereich unterstützen kann – es gibt zum Glück genug davon.

Es gilt also dasselbe wie bei den Hoaxes: Die meisten dieser Nachrichten haben keine tatsächlichen Hintergrund – sie überlasten lediglich das Netz und man verliert viel Zeit mit ihnen.

"Urgent", "Confidential" oder "Bussiness-Proposal": Hände weg!


Allerhöchste Vorsicht ist angeraten, wenn Sie eine E-Mail erhalten, in welcher Sie als Vertrauensperson angesprochen werden, auf deren Hilfe man angewiesen ist, um eine beträchtliche Summe (vielfach über 20 Millionen Euro) außer Landes zu bringen, und zwar gegen eine Beteiligung von ca. 30 %. Der Absender ist je nach Variante angeblich entweder die Witwe eines Generals, ein Bankier, ein früheres Regierungsmitglied oder ähnliches aus irgendeinem Land in Afrika.

In einem Punkt sind alle E-Mails gleich: sollte man es nicht schaffen, das Geld außer Landes zu bringen, wird es dem Militärregime oder organisiertem Verbrechen oder sonstigen Bösewichten in die Hände fallen und für Krieg oder sonstige zweifelhafte Machenschaften verwendet werden.

Es klingt alles wunderschön: man stellt einfach sein Konto für eine internationale Überweisung zur Verfügung, erhält dafür in etwa 6 Millionen Euro und hat ein gewalttätiges Militärregime geschädigt: doch leider ist die Wirklichkeit nicht ganz so rosig.

Erklärt man sich mit dem Vorhaben einverstanden, so bittet der neue "Geschäftspartner" (bei dem es sich keinesfalls um eine Witwe oder ein Waisenkind, sondern vielmehr um eine gut organisierte Verbrecherbande handelt) um Überweisung von 2-3.000 Euro für "allfällige Spesen".

Anschließend soll man selbst nach Zimbabwe, Elfenbeinküste, Südafrika oder Nigeria kommen, um die Transaktion abschließen zu können und mit dem Geld wieder heimzufahren. Statt mehrerer Millionen Euro drohen dort jedoch Raub, Körperverletzung, Kidnapping und Lösegeldforderungen, wie die europäischen Polizeibehörden einheitlich verlauten lassen.

Diese Art von E-Mails sind mittlerweile in ganz Europa unter dem Begriff 419-Vorauszahlungsbetrug bekannt (in Anlehnung an den entsprechenden Artikel des nigerianischen Strafgesetzbuches). Sollten Sie selbst eine solche E-Mail erhalten haben, erstatten Sie Anzeige bei den zuständigen Behörden!

Mehr Informationen erhalten Sie unter anderem bei der Technischen Universität Berlin (www.hoax-info.de) oder bei Dirk van den Boom (www.v-d-boom.de/419.html).

Grundsätzlich gilt:

Alle Ketten-Sendungen (seien dies nun Virenwarnungen oder sonstige Ketten) verstoßen gegen die Netiquette, das ist die Gesamtheit der Verhaltensnormen, welche für alle Internet-BenutzerInnen zwingend ist. In dem Moment, wo Ihnen ein Provider Zugang zum Internet liefert, unterzeichnen Sie einen Vertrag (meistens sogar über das Internet): in diesem Vertrag ist ausdrücklich zu lesen, dass Sie sich verpflichten, die Netiquette zu respektieren.
Wer also eine Ketten-Mail weiterleitet, verstößt gegen die Netiquette und verletzt den mit seinem Provider unterzeichneten Vertrag. Der Provider kann also die E-Mail-Adresse löschen!

Echte Viren


Diese sind zahlreich, richten unter Umständen große Schäden an und verbreiten sich mehr oder weniger schnell. Der Virus mit den meisten Schlagzeilen dürfte wohl "ILOVEYOU" sein, der ziemliche Schäden angerichtet hat – auch durch seine große Verbreitung.

Allgemein gilt:

Benutzen Sie ein richtig konfiguriertes Antivirusprogramm und halten Sie die Virusdatenbank auf dem Laufenden!

Überlegen Sie dreimal, bevor Sie eine Datei aus dem Internet herunterladen oder eine Anlage zu einer E-Mail öffnen – man weiß nie, was sich dahinter verbirgt!


Blatt Nr. 37, Stand 11-2002