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Europäisches Verbraucherzentrum Italien Büro Bozen
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29.08.2013

In kurzer Zeit mit wenig Aufwand viel Geld verdienen –Direktverkauf und Pyramidensysteme

 
Wenn eine Freundin jemanden einen Nebenjob mit Verdienstaussichten von mehreren tausend Euro in kurzer Zeit anbietet, ein Nachbar zu einem Treffen einlädt, bei welchem den Teilnehmern leichtverdientes Geld durch den Eintritt in die beim Treffen vorgestellte Organisation versprochen wird, die Tante eine „Party“ veranstaltet, auf welcher Matratzen, Pfannen oder Kosmetika zum Kauf angeboten werden, fragen Verbraucher sich und uns, ob man solchen Angeboten trauen kann.

Besonders zu Krisenzeiten ist die Aussicht auf leichtverdientes Geld für viele Verbraucher sehr verlockend – besonders wenn es um nicht unbedeutende Summen geht. Oft werden einem solche Geschäfte gerade von Verwandten, Freunden und Bekannten angeboten, also von Personen, denen man normalerweise vertraut. Dass einem eine nahestehende Person ein unvorteilhaftes oder gar ungesetzliches Angebot unterjubeln könnte, ist Verbrauchern oft nicht bewusst. Verkaufssysteme dieser Art kommen vielfach aus dem Ausland – auch aus anderen EU Staaten. Sowohl der italienische als auch der europäische Gesetzgeber haben dabei festgelegt, unter welchen Umständen ein solches Verkaufssystem erlaubt oder verboten ist und im letzteren Fall, welche Strafen vorgesehen sind. Grundsätzlich zu unterscheiden sind hierbei das sogenannte Mulilevel-Marketing und die sogenannten Pyramidensysteme.

Beim Multilevel-Marketing verkauft eine Gesellschaft Konsumgüter (z.B. Kosmetika, Haushaltsartikel.,...) oder Dienstleistungen (Finanzprodukte, Versicherungen,…) und sucht nicht nur nach Kunden, welche die Produkte kaufen, sondern versucht auch, den Verbraucher direkt in die Gesellschaft einzubinden, indem sie ihn als selbständigen Verkäufer anwirbt. Normalerweise muss der Neueinsteiger eine Art Einstiegsgebühr bezahlen, bevor er selbst aktiv wird. Die Mitarbeit kann dabei “gelegentlich” oder “regelmäßig” und deren Dauer von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein: einige Jahre oder aber auch derartig kurz, dass sich die Anfangsinvestition gar nicht lohnt. Wichtig zu wissen ist dabei, dass sobald der Verbraucher zum Verkäufer wird, das Gesetz ihn auch als solchen ansieht und somit eine Reihe von Verpflichtungen - auch steuerrechtlicher Natur - mit seiner neuen Tätigkeit einhergehen. Bei einem solchen Geschäftsabschluss gibt es übrigens für die Verbraucher ein 10-tägiges Rücktrittrecht ab Kauf, da es sich um Haustürgeschäfte handelt (z.B. die Verkaufsparty in der Wohnung der Tante, bei welcher Matratzen verkauft werden).

Pyramidensysteme hingegen funktionieren anders, denn deren einziges Ziel ist es, Geld zu scheffeln, ohne dabei unbedingt ein konkretes Produkt oder eine Dienstleistung anzubieten. Meist wird hier zunächst eine hohe Anfangsinvestition als Einstiegsgebühr, für Informationsmaterial oder auch als Preis für überteuerte Produkte vorgesehen. Dank dieser von den neuen Mitgliedern eingezahlten Beträge , werden jene, die das System ins Leben gerufen haben, schnell reich, während Neueinsteiger immer mehr neue Mitglieder anwerben müssen, um wenigstens die Einstiegskosten wieder wettzumachen. So werden dauernd neue Mitglieder in die Kette eingebunden. Der Verkäufer erzielt seinen Gewinn nicht durch den Verkauf eines Produkts, sondern durch das Anwerben von Mitgliedern. Ein Staatsgesetz aus dem Jahr 2005 (Nr. 173) verbietet und bestraft jegliche Form von Pyramidensystem: Für die Organisation, die Förderung und die Teilnahme an solchen Pyramidensystemen aber auch für Multilevel-Marketing-Tätigkeiten, welche über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen, sind strafrechtliche Konsequenzen vorgesehen (Gefängnisstrafe zwischen sechs und zwölf Monaten oder eine Geldstrafe zwischen 100.000 und 600.000 Euro, sofern es sich nicht um eine schwerwiegendere Straftat, z. b. Betrug handelt). Der Vertrieb im Pyramidensystem wird auch als irreführende Geschäftspraktik von der Wettbewerbsbehörde (Autorità Garante della Concorrenza e del Mercato - AGCM) verfolgt.

Weitere Informationen zum Multilevel-Marketing und zu den Pyramidensystemen gibt es beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Bozen, welches ein Infoblatt diesem Thema gewidmet hat, das auf der Webseite des EVZ verfügbar.


29.08.2013
Presse-Information

 

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