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Presse-Information


Schenkkreise: von schenken keine Spur


Meldungen von VerbraucherInnen zufolge sollen angeblich zwei Schweizer Herren alles daran setzen, in Südtirol so viele Schenkkreise wie möglich ins Leben zu rufen. Häufig wird an Herz und Gefühl appelliert, Sprüche wie "Durch Teilen und Mitteilen wird immer mehr Menschen zu Wohlergehen und Reichtum im umfassenden Sinn verholfen!"

Aber Schenkkreise haben absolut nichts mit schenken zu tun - weder moralisch, noch juridisch! Wie funktioniert das System?

Ein Schenkkreis besteht normalerweise aus 4 Stufen und 15 Mitgliedern:

1
22
3333
44444444

Die unteren 8 zahlen dem Initiator des Kreises je 5.000.- Euro (insgesamt also 40.000.-) in der Hoffnung, selbst einmal an der Spitze zu stehen und „beschenkt“ zu werden. Nach der Zahlung scheidet der Initiator aus, der Kreis wird in 2 neue geteilt und neue Zahlende müssen angeworben werden. Im Optimalfall erhalten die ersten 8 Zahlenden nach 4 Runden ihr Geld. Dabei mussten aber schon 127 Mitspieler 5.000.- Euro einzahlen. Steigt man erst bei der 7. Runde ein, so braucht das System schon 7.168 Einzahler, um alle Einsteiger der 7. Runde mit der versprochenen Summe zu beglücken. In der 16. Runde ist die gesamte Bevölkerung Südtirols (524.287) zur Kasse gebeten.

Wer rechnen kann, merkt bald, dass ca. 88% der Einzahler leer ausgehen werden.

Die rechtliche Lage: laut Zivilgesetzbuch können Schenkungen nicht an die Erwartung gebunden sein, das 8-fache zurückzuerhalten, sondern müssen als unentgeltliche Zuwendung empfunden und getätigt werden. Nur Schenkungen geringeren Wertes können laut Gesetz formlos gemacht werden, in allen anderen Fällen muss die Zuwendung mittels einer öffentlichen Akte erfolgen, ansonsten ist sie rechtlich ungültig. Wer in diesem Zusammenhang zu Geld kommt, könnte zudem strafrechtlich belangt werden.

"Geben ist seeliger als Nehmen", wird nicht selten von den Initiatoren als Leitspruch verwendet, um dem System einen religiösen Hauch zu geben. Doch Martin Pezzei, Referent für Weltanschauungsfragen der Diözese Bozen – Brixen, meint dazu: "Von Wohltätigkeit und Moral kann hier nicht die Rede sein, da jene, die gewinnen, dies auf Kosten anderer tun. Durch die Teilnahme wird ein System unterstützt, das viele Menschen ins Unglück stürzen kann und nur ganz wenige Menschen 'reich' macht."

Weitere Informationen können im Internet nachgelesen werden, beispielsweise auf den Seiten:

www.ecclesiabz.com/rfw/
www.sekten-info-essen.de/texte/schenkkreis.htm
www.mlm-beobachter.de/mlm/schenkkreise.htm
www.schenkkreise.org/


Bozen, den 2.12.2004



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