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Verliebt und... abgezockt

Pünktlich zum Valentinstag erzählt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Bozen die Geschichte von Paul, der sich an eine Partnervermittlungsagentur gewandt hat: 3.500 Euro hat er bezahlt, hat einige Vorschläge erhalten, aber ohne "Verliebtheitsgarantie".

Paul ist schüchtern, in sich gekehrt und alleinstehend. Die Mädchen aus seinem Dorf, die kennt er alle, aber keine scheint interessiert daran, mit ihm etwas anzufangen. Eines Morgens, während Paul in der Bar seinen Kaffee trinkt und wie immer die Inserate zur Partnersuche auf der letzten Seite einer Tageszeitung liest, stößt er auf das Inserat von Anna, das ihm sein Herz erwärmt: "Anna, nette Bauerntochter, dunkelhaarig und romantisch, liebt es in den Bergen zu wandern und ist es leid, sich allein zu fühlen und möchte ihr Leben mit einem einfachen, zurückhaltenden und ernsten Mann teilen, ist auch bereit in den Bergen zu leben. Ruf mich an, meine Nummer 123-45678".

Paul liest die Anzeige wieder und wieder, studiert Annas Foto und sucht, ob es da irgendeinen Haken gibt; letztendlich, fasst er sich schließlich ein Herz und wählt Annas Nummer. Der weiblichen Stimme am Telefon, die etwas älter als erwartet klingt, erzählt er etwas eingeschüchtert, dass er sich auf die Anzeige melde. Die Stimme am Telefon reagiert sofort und sagt, man müsse jetzt lediglich einen Termin vereinbaren, um zu sehen, ob Anna daran interessiert ist, Paul kennen zu lernen. Ah so, bei der angerufenen Nummer handelt es sich um eine Partnervermittlungsagentur, nicht um seine Anna. Zufällig befindet sich die Dame nicht weit von Pauls Dorf entfernt, und die beiden vereinbaren ein Treffen direkt bei der Autobahnraststätte, weit weg von den neugierigen und indiskreten Blicken der Dorfbewohner.

Pauls Unbehagen verschwindet, als die Dame von der Agentur ihm beteuert, dass es nichts Besseres gäbe, als sich an ihre Agentur zu wenden: sie würde sich schon um alles kümmern, würde jene Mädchen aussuchen, die am besten zu ihm passen, den Kontakt herstellen, aber, natürlich könne sie nicht gratis arbeiten. Es handle sich um einen Dienst höchster Qualität und man müsse lediglich einen Vertrag unterschreiben. Sie fügt noch hinzu, dass es pünktlich zum Valentinstag ein Sonderangebot gäbe: 3.500 Euro für 15 Angebote. Paul ist vollends verwirrt und durcheinander, aber die Vermittlerin sagt ihm, er solle den Vertrag unterschreiben, weil da ja eh nur das stünde, was sie ihm eh schon gesagt habe. Also unterschreibt Paul halt den Vertrag bestehend aus zwei DIN A4 Seiten, klein geschrieben, und die Partnervermittlerin füllt einen Fragebogen aus, wie die Idealpartnerin von Paul sein sollte: zwischen 20 und 25 Jahren, ohne Kinder, Nicht-Raucherin, am liebsten dunkelhaarig, Tier- und Naturliebhaberin und aus seiner Gegend stammend. Paul geht also glücklich nach Hause und gleich am Montag überweist er der Partnervermittlungsagentur den vereinbarten Preis.

Und nach wenigen Tagen bekommt Paul Post: 5 Blätter mit Foto, Name, Handynummer und eine kurze Information zur möglichen anderen besseren Hälfte. Paul liest die 5 Vorschläge, aber lediglich zwei stimmen - mehr oder weniger - mit den Ansprüchen von Paul überein. Paul ruft das Mädchen von Blatt 1 an, aber es läutet durch. Er schickt auch noch eine SMS, aber erhält darauf die Antwort: "Du interessierst mich nicht, ruf mich nicht mehr an!" Das zweite Mädchen antwortet sofort und erklärt, dass sie seit geraumer Zeit nicht mehr bei der Partnervermittlungsagentur registriert sei. Paul ruft also seine Vermittlerin an, die ihm versprochen hatte, ihm beim Verlieben zu helfen, und erklärt ihr, was geschehen ist. Diese entschuldigt sich für den Fehler und verspricht neue Vorschläge zu schicken, aber die Geschichte wiederholt sich: Vorschläge, die nichts mit seinen Vorstellungen zu tun haben, Ablehnungen, unbeantwortete Anrufe und SMS und von Anna sowieso keine Spur.

Pauls Geschichte ist identisch mit den Hunderten von Geschichten, die das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Bozen in den letzten Jahren gesammelt hat. Besonders im Frühling und zur Weihnachtszeit wenden sich Singles - vornehmlich Männer - an das EVZ, und berichten enttäuscht von der Arbeit der Partnervermittlungsagenturen. In den vergangenen Jahren erreichten uns vor allem Meldungen von jungen Männern, letzthin aber auch von Senioren, Frauen melden sich lediglich sehr wenige. In der Praxis gestaltet es sich sehr schwierig auch nur einen Teil des Preises zurück zu erlangen: die von den Verbrauchern unterschriebenen Verträge enthalten sehr viele Klauseln, welche die Agentur schützen und nur zu oft haben die Verbraucher diese nicht aufmerksam gelesen und es versäumt schriftlich zu reklamieren. Das EVZ Bozen lädt alle Verbraucher, die vorhaben, sich an ein Partnervermittlungsinstitut zu wenden oder bereits ein Problem mit einem solchen haben, dazu ein, beim EVZ Informationen und Ratschläge einzuholen.


Bozen, 13.02.2012
Presse-Information



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