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Die Verbraucher, die neuen Münzen und die neuen Banknoten


Während des gesamten Vorbereitungsprozesses für Euro-Münzen und -Banknoten sind die Verbraucher, die Blinden und die Sehbehinderten konsultiert worden. Vielleicht ist dies das herausragendste Element eines Prozesses, der 1991 für die Münzen und 1992 für die Banknoten begann.

Die im Umlauf befindlichen Münzen und Banknoten auszuwechseln ist nicht einfach und die Geldgewohnheiten sind von Land zu Land verschieden. Beispielsweise kennt der schwedische Verbraucher nur 4 Münzen, während der französische Verbraucher 9 Münzen benutzt. In einigen Ländern gibt es keine Centimes. In Finnland sind durchschnittlich pro Einwohner 21 Banknoten im Umlauf gegenüber 51 in Österreich. Zahlt der Verbraucher in einem Land mit Münzen, so zahlt er in einem anderen Land für einen äquivalenten Wert mit Banknoten.

Die Emissionsverfahren waren unterschiedlich für Münzen und Scheine. Nach dem Vertrag (Artikel 105) ist die Europäische Zentralbank für die Banknoten zuständig, während die Finanzminister, die den Währungsausschuss mit der Überwachung der Tätigkeit der Münzdirektoren in den Mitgliedstaaten beauftragt haben, für die Münzen zuständig sind.

Neben technischen Problemen verdient der symbolische Aspekt Aufmerksamkeit: sollten die Münzen und Scheine eine "nationale" Seite haben? Nach längeren Diskussionen wurde beschlossen, Münzen mit einer nationalen Kopfzeile zu prägen, während die Banknoten in allen Ländern der Euro-Zone vollkommen identisch sein werden. Diese Unterschiede beeinflussen jedoch nicht den Wert als gesetzliches Zahlungsmittel: eine Münze mit einer portugiesischen Kopfseite muss von einem französischen, deutschen oder italienischen Geschäftsmann genauso akzeptiert werden wie eine Münze mit einer finnischen Kopfseite.

1) MÜNZEN

1991 haben die für die Prägung der nationalen Münzen zuständigen Münzdirektoren eine Arbeitsgruppe gebildet (die sogenannte MDGW Mint Directors Working group - Arbeitsgruppe der Münzdirektoren), um über eine einheitliche Stückelung europäischer Münzen zu beraten. Sie kamen sehr schnell zu dem Schluss, daß man eine breite Auswahl präsentieren müsse , um die Gepflogenheiten in allen Mitgliedstaaten zu berücksichtigen. Daher umfasste ihr erster Vorschlag 9 Münzen, die von 1 Cent bis 5 Euros gestückelt waren. 1994 entschieden die Finanzminister , die 5€-Münze durch eine Banknote zu ersetzen. Ferner wurden 1994 erste Kontakte zwischen den Münzdirektoren, den Verbrauchervertretern und den Blinden aufgenommen.
Im September 1996 schlug die Kommission dem Verbraucherausschuß vor, eine ständige Arbeitsgruppe zur Prüfung sämtlicher praktischer Aspekte der Einführung des Euro einzusetzen. Seitdem wird diese Arbeitsgruppe regelmäßig zum Thema Münzen angehört. Der Europäische Blindenverband, der bereits über ein einschlägiges Gutachten verfügte, spielte eine entscheidende Rolle bei der Meinungsbildung der Verbraucher. So hat die Arbeitsgruppe mit besonderem Nachdruck gefordert, auf eine taktile und visuelle Erkennung von Münzen zu achten. Sie schlug vor, daß bestimmte Münzen nicht rund sein und sich in Gewicht und Größe deutlich unterscheiden sollten. Hingegen hat das Verkaufsautomatengewerbe nichtrunde Münzen abgelehnt.
Von Oktober 96 bis Mai 97 haben die Münzdirektoren auf Betreiben der Verbrauchervertreter und der Blindenvertreter mehrere Musterserien vorgestellt. Jede von der Arbeitsgruppe Euro vorgeschlagene Umänderung zur Verbesserung der Stückelung konnte von einigen hundert Verbrauchern und Blinden getestet werden. Im weiteren Verlauf der Anhörung wurde endgültig über die Gestaltung der Europaseite der Münzen entschieden. Die Gruppe der Verbraucher hat der schließlich vom Rat angenommenen graphischen Gestaltung (stilisierte Europakarte) den Vorzug gegeben.
Die meisten Kontroversen gab es bei der Auswahl der Münzlegierungen. Ursprünglich hatte die M.D.W.G. für Münzen von 10 Centimes bis 2 Euro eine Nickellegierung vorgesehen. Schweden hat die Verwendung von Nickel in Münzen der eigenen Währung untersagt, um potentielle Allergierisiken durch dieses Metall auszuschalten. Die Verwendung von Nickel in Produkten, die über längere Zeit mit der Haut in Kontakt sind, wie zum Beispiel Ohrringe, soll im übrigen durch eine Richtlinie verhindert werden. Aufgrund der durchgeführten Arbeiten und nach Anhörung des Wissenschaftlichen Ad-hoc-Ausschusses hat der Ecofin-Rat beschlossen, auf Nickel in 10-, 20- und 50-Cent-Münzen zu verzichten, und sich bei den 1- und 2-Euro-Münzen für eine Legierung mit sehr geringem Nickelgehalt ausgesprochen, wodurch eventuelle Allergierisiken entfallen.

2) BANKNOTEN

Die Auswahl der Banknoten hat das Europäische Währungsinstitut als Vorläufer der Europäischen Zentralbank vorgenommen.
Bereits 1994 hatten die Vertreter der Blindenorganisationen erklärt, dass die amerikanischen Banknoten für sie ein regelrechter Alptraum seien, da sie alle das gleiche Format und die gleiche Farbe haben. Daher forderten sie Euro-Banknoten unterschiedlicher Größe mit hellen Farben. Als Beispiel wurden die Niederlande angeführt, wo Banknoten in sehr lebhaften Farben gestaltet sind. In diesem Punkt wurde dem Verbraucherwunsch entsprochen: jede Banknote hat eine andere Farbe und unterschiedliche Abmessungen. Die graphische Gestaltung war problematischer als bei den Münzen, dies um so mehr, als Banknoten einen höheren Wert als Münzen besitzen. Zur Vermeidung politischer, religiöser oder nationaler Polemik wurden schließlich neutrale Themen gewählt: „Epochen und Kunststile" sowie „abstrakte und moderne Darstellungen". Als Ergebnis des graphischen Wettbewerbs zu diesen beiden Themen sollen auf den Banknoten Brücken, Tore oder Fenster in den großen Architekturstilen, die jedem Europäer vertraut sind, dargestellt werden. Allerdings wurde darauf geachtet, dass keine Identifizierung mit bestehenden Monumenten möglich ist.

Jean Allix, GD XXIV


Länder Stückelung
der
Währung
Werte
Österreich 9 0,02 ; 0,05 ; 0,10 ; 0,50 ; 1 ; 5 ; 10 ; 20 ; 50 ATS
Belgien 5 0,50 ; 1 ; 5 ; 20 ; 50 BEF
Finnland 5 0,10 ; 0,50 ; 1 ; 5 ; 10 MKA
Frankreich 9 0,50 ; 0,10 ; 0,20 ; 0,50 ; 1 ; 2 ; 5 ; 10 ; 20 FRF
Deutschland 8 0,10 ; 0,02 ; 0,05 ; 0,10 ; 0,50 ; 1 ; 2 ; 5 DEM
Irland 7 0,01 ; 0,02 ; 0,05 ; 0,10 ; 0,20 ; 0,5 ; 1 IEP
Italien 8 5 ; 10 ; 20 ; 50 ; 100 ; 200 ; 500 ; 1000 LIT
Luxemburg 5 0,25 ; 1 ; 5 ; 20 ; 50 FL
Niederlande 6 0,05 ; 0,10 ; 0,25 ; 1 ; 2,5 ; 5 GDL
Portugal 8 1 ; 2,5 ; 5 ; 10 ; 20 ; 50 ; 100 ; 200 ESC
Spanien 8 1 ; 5 ; 10 ; 25 ; 50 ; 100 ; 200 ; 500 PTA
Eurozone 8 0,01 ; 0,02 ; 0,05 ; 0,10 ; 0,20 ; 0,50 ; 1 ; 2 EUR


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